.:SehSong Bockwitz:. bei Zeitz – Musikkneipe und Kleinkunstbühne header image 4

Keine Chance für Lakomy, allein zu sein

Mitteldeutsche Zeitung vom 01.07.2003

5. Klein Kunst Nacht

Saitlinge strickten ein spannendes Angebot zwischen den Genres

VON UNSERER REDAKTEURIN MARIA BARSI

Bockwitz/MZ. Natürlich behauptete Reinhard Lakomy zu Beginn seines Auftritts bei der fünften “Klein Kunst Nacht” im Bockwitzer “Seh-song”, dass er heute allein sei. Doch damit kam er nicht durch -mehr Leute hätten gar nicht hinein gepasst in die Scheune und fast alle konnten sie dieses Lied und viele andere mitsingen. Dazu noch die knurrigen Bemerkungen Lakomys über Kohl und die Welt, und die Leute hielt es fast nicht auf ihren Sitzkartons. Und gern ließen sie sich dann noch von Axinia Schönfeldt überraschen.

Dass Lakomy die Massen auf die Beine brachte, war zu erwarten. Aber auch als Pianist Alexander Suckel und Schauspieler Tobias D. Weber vom Chemnitzer Schauspielhaus zu ihrer vergnüglich-ironischen Betrachtung der Welt und Liedern von damals und heute anhoben, war die Hütte knackevoll. War doch zumindest Suckel den Fans der “Klein Kunst Nacht” kein Unbekannter. Im Jahr zuvor hatte er mit der Band “Die Saitlinge”, deren Ideen und Tatkraft diese Veranstaltung entspringt, gemeinsam musiziert. Dieses Mal boten die beiden “Saitlinge” Peter Schneider und Melchior Walther gemeinsam mit der Zeitzer Punkrockband “d.h.” eine Annäherung zwischen Jazz und Punk.

Wessen Ding das ganz große Gedränge nicht ist, der drängte sich in Maßen in der Kneipe, wo der Leipziger Volly Tanner zweimal an diesem Abend eigene satirische Texte las. Oder man ließ sich von Pöschis Tanzmäusen anregen. Oder man amüsierte sich mit dem noch jungen Leipziger Improvisationstheater “2t-frisur” unter freiem Himmel, die das Publikum nicht untätig herumsitzen und nur zuschauen ließen. Hier wurde mitgemacht -sei es sozusagen im Wald oder im Wohnzimmer von Frau Müller. Eine spaßige Sache, bei der mancher nach seiner verschütteten Phantasie zu graben begann.

Die Abwechslung machte das Vergnügen und die Möglichkeit, jederzeit seinen Sitzkarton schnappen zu können und um die Ecke herum zu einer ganz anderen Veranstaltung zu gehen. Und reizvoll war es auch, gestandene Profis neben ganz jungen Leuten zu erleben, bei denen sich noch finden wird, wie weit sie kommen in ihrem Metier.

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1. Juli 2003 keine Kommentare

Und der Kontrabass steht mittendrin

Mitteldeutsche Zeitung vom 01.07.2002

Kleinkunstnacht

“Saitlinge” luden zu Rock, Wortwitz und Sitzen auf Pappkartons

VON UNSERER REDAKTEURIN KARIN GRO ß MANN

Bockwitz/MZ. Er hat sie noch, die FDJ-Fanfare. Doch den Gästen der vierten Kleinkunstnacht in der Bockwitzer Musik-Kneipe “Sehsong” braucht Wirt Bernd Christen damit nicht den Marsch zu blasen. Die sitzen schon dicht gedrängt in der Scheune, wo das erste Programm startet. Und für das Sitzen haben sich die Saitlinge, die zum vierten Mal zum etwas anderen Kunstgenuss in lauer Sommernacht einluden, Sitze aus Kartons gefaltet, das Programm gleich drauf geklebt. Die Papphocker sollte jeder mitnehmen, wenn er von Bühne zu Bühne wanderte. Als Erinnerungsstück konnten sie auch dienen oder einfach dagelassen werden, damit sie im nächsten Jahr – mit aufgeklebtem neuem Programm – dann wieder ausgegeben werden können.

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass da in Bockwitz ein Kunstgenuss der besonderen Art, geboten wird. Ein paar Hundert ließen ihn sich nicht entgehen. Tobias Klug eröffnete den Reigen in der Scheune, stellte klassisch und komisch den Kontrabass in die Mitte und bewies, dass jenes Instrument nicht nur als Streich-, sondern auch als Zupfinstrument und gar als Schaukelpferd zu gebrauchen ist. Und seine Texte machten nicht nur Spaß, sondern hatten Biss, was dem altersmäßig breit gefächerten Publikum gefiel. Zwei Zugaben waren das Mindeste, ehe die Scheune geräumt wurde und sich das Publikum der nächsten Bühne zuwandte.

In die Musikkneipe allerdings kam da erst mal keiner rein. Dort spielte der Chemnitzer Pianist Alexander Suckel gemeinsam mit einigen Saitlingen. So wurden die Sitzkartons nebenan an der kleine Bühne im Freien geparkt, wo die Post auf andere Weise abging. Die “Zwei verrückten Schwestern” lieferten wie im vergangenen Jahr bereits eine farbenprächtige Travestie-Show voller Klamauk, Erotik und Ironie ab. Da erschien Marlene Dietrich neben Nina Hagen und der vergessene Farbfilm wurde lautstark mitgesungen.

“Die Atmosphäre und Vielfalt hier sind einfach toll.” Roland Lindner

teilnehmender Künstler

Die Holzplastiken in der Scheune dienten für die Kleinkunstnacht nicht nur als Dekoration. Der Mann mit der Mütze, der Hollsteitzer Künstler Roland Lindner erläuterte, wie ihn gerade jenes Holzstück zu der Plastik, die daraus entstand, inspirierte. “Das zweite Mal ist er bei der Kleinkunstnacht dabei, “weil ich die Atmosphäre und die Vielfalt einfach toll finde”, sagt er. Im Freigehege waren aber auch Tierpräparate von Martin Unruh zu sehen. Puppen und Spiele stellte Grit von der Kreativ-Werkstatt aus Zeitz vor.

Musikalisch ging die Nacht weiter mit den Rockchansongs von Dirk Michaelis, ehemals Front-Mann der Kultband “Karussell”, mit knochenhartem Rock des Berliner Metall-Quintetts “Coppelius” und zum Ausklang dann der Auftritt der Gastgeber selbst.

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1. Juli 2002 keine Kommentare

Zarte Töne treffen auf ein besonderes Metall-Quintett

Mitteldeutsche Zeitung vom 22.06.2002

Kleinkunstnacht

Rockchansons und Politsatire in Bockwitz – Sänger Dirk Michaelis zu Gast

VON SYLVIA EHRENBERG

Bockwitz/MZ. Die Tage und Nächte, im Sommer scheinen sie irgendwie immer länger zu werden. Erst spät am Abend verschwindet nun die Sonne, und auch danach wird jetzt vielerorts die Nacht zum Tage gemacht. Das ist in Bockwitz nicht anders. Auch hier haben lange Nächte Tradition.

Die vierte Begegnung

Eine ganz besondere ihrer Art ist dort zweifellos die Kleinkunstnacht. Am 29. Juni ist es nun wieder soweit. Zum vierten Mal in Folge lädt das Bockwitzer Lokal “Seh-Song” zum kulturellen Treff. Auch in diesem Jahr erwartet die Besucher ein musikalisches Non-Stop-Programm, sollte sich der Abend mit Rockchansons Clownerie, Klamauk, Politsatire und, und, und zu einem höchst interessantem Intermezzo entwickeln. So wird unter anderem der Rockpoet Dirk Michaelis in Bockwitz zu Gast sein.

Den Bauch im Kopf

Das Herz trägt der Ex-Karussell-Sänger auf der Zunge. Seinen Bauch hat er im Kopf. Für seine gefühlvollen Melodien, zarten Untertöne und pointierte Begleitung ist Michaelis hinreichend bekannt. Man darf also gespannt sein.

Auch Tobias Klug ist ein Könner seines Faches. Klassik, Kabarett, Musikclownerie und politisch-satirische Seitenhiebe zu einem amüsanten Ganzen zu vereinen. . . Klug beherrscht es trefflich. Bei der Kleinkunstnacht dabei sind auch “Coppelius” mit ihrem “etwas anderen Rockkonzert”. Das Metall-Quintett hat sich vorgenommen, in äußerst ungewöhnlicher Instrumental-Besetzung (z.B. Klarinette, Cello und Kontrabass) für einen metall-harten Sound am Abend zu sorgen.

Gastgeber spielen auch

Außerdem zu Gast: “Die zwei verrückten Schwestern” sowie der Pianist Alexander Suckel und natürlich werden auch die “Saitlinge” als Ausrichter und Gastgeber der Kleinkunstnacht in Bockwitz live auf der Bühne zu erleben sein. Der Einlass wird um 19 Uhr beginnen.

Karten können telefonisch über die Hotline: 03441/ 71 51 21 bestellt werden. Auch das Nachfragen im “Seh-Song” Bockwitz lohnt.

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22. Juni 2002 keine Kommentare

Wortschüsse und Frivoles zur Nacht

Mitteldeutsche Zeitung vom 16.07.2001

Kleinkunstnacht

Die “Saitlinge” luden zum abendlichen Kunstgenuss – 300 Gäste kamen zur dritten Auflage nach Bockwitz

VON SYLVIA EHRENBERG

Bockwitz/MZ. “Hier kommt was auf euch zu”, prophezeiten drei “verrückte Schwestern” am Sonnabend in Bockwitz, und sie sollten Recht behalten.

“So eine schöne Atmosphäre habe ich noch nie erlebt.”

Petra Schwielert

Besucherin

Theater, handgemachte Musik, Holzkunst zum Anfassen, Tanz, Film, theatralische Rezitationen und ein Entertainer der amüsantesten Sorte. Eine Nacht, in der die Funken reichlich sprühen. Von der Bühne zum Publikum und wieder zurück. Geistreich, kurios und vielseitig unterhaltsam sollte es werden. Und genau so war sie auch, die Kleinkunstnacht in Bockwitz, zu der die “Saitlinge” als Band am Sonnabend auf das Terrain der Musikkneipe “Seh-Song” einluden. Ein Nonstop-Programm begann für die Gäste, als die sich pünktlich um 21 Uhr zum abendlichen Kunstvergnügen auf dem Gehöft rund um das Lokal einfanden. Musikalisch, in zig Liedinterpretationen beschrieben da Schauspieler Tobias D. Weber und Pianist Alexander Suckel vom Chemnitzer Schauspielhaus u. a. “das Bett”, das “immer größer wird”. Amüsanter Trennungsherzschmerz mit Wiederkennungsfaktor – hier wurden Sänger wie Dirk Zöllner von den “Zöllnern” oder André Herzberg von “Pankow” zu Verbündeten – als vergnüglicher Liederabend verpackt. Das kam an. Das machte Spaß. Genauso wie die frivol-fröhliche Freiluftshow der “Drei verrückten Schwestern”. Als Frau, als Mann oder als beides. Hier erlebte die glamouröse Welt des Schlagers ihre Auferstehung und das Publikum ein Gute-Laune-Coming-Out. Schon weit theatralischer, doch nicht minder amüsant beschossen da schon Jens Paul Wollenberg und Valeri Funkner (Knopfakkordeon) ihre Zuhörerschaft. Gedanken und Ansichten des russischen Dichters Daniil Charms in kraftvolle Worte verschnürt, fluchte, lachte und jaulte Wollenberg wodkasüffelnd in die Kleinkunstnacht. Eine musikalische Lesung mit viel Raum für persönlichen Zwiespalt. Ob Swing, Handpuppentheater, Holzkunst von und mit Roland Lindner, bewegte Bilder auf der Leinwand von Janet Wahl und Manuel H. Noll inszeniert, Bühnenfeuerwerk, Tanz oder die singend, witzelnd, haarezupfend oder gar popelnden Animationseinlagen von “Clown Lou”, der von A wie Anfang bis Z, wie “zieht mit mir von Bühne zu Bühne” als Conférencier durch den Abend führte. In Bockwitz wurde die Nacht bunt. Das fand auch Petra Schielert aus Halle, die mit Bekannten aus Zeitz erstmalig zur Kleinkunstnacht angereist war. “So eine Atmosphäre, so eine Vielfältigkeit habe ich noch nicht erlebt”, schwärmte sie.

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16. Juli 2001 keine Kommentare